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July 9th, 2020

8 manteltarifvertrag ig metall nrw sonderurlaub

Am Ende waren die in den letzten Monaten des Jahres 1967 nach monatelangen Verhandlungen vereinbarten Lohnerhöhungen auffallend moderat. Erstmals seit vielen Jahren ging das Lohnniveau “Realgeld” (inflationsbereinigt) in der IG Metall-Branche zurück. Es war wenig tröstlich, daß die Löhne in der gesamten Wirtschaft 1967 um 1,6 % und 1968 um 1,0 % zurückgingen. Gleichzeitig erreichten in der Region Nordwürttemberg-Nordbaden viele Beschäftigte eine Neuklassifizierung ihrer Arbeitsplätze, was das enttäuschende Niveau des Gesamtanstiegs kompensierte. Die Parteien einigten sich auch grundsätzlich darauf, das Grundniveau in der Region Stuttgart zu gewährleisten. Die Kürzungen der Bonusniveaus konnten nur mit Betriebsratsvereinbarungen ergänzt werden, was im Gesamtkontext der Verhandlungen in diesem Jahr einen relativen Erfolg darstellte. [11] Am 1. Juli 1968 einigte sich die IG Metall auf nationaler Ebene auf einen neuen Tarifvertrag für den Sektor, der zu einer relativ bescheidenen Erhöhung um 3 % führte. Ungeachtet eines gleichzeitig ausgehandelten “Rationalisierungsschutzabkommens” erntete das Abkommen, das eine Laufzeit von 18 Monaten umfasste, in den Gewerkschaften scharfe Kritik.

Besonders stark war die Kritik in der Eisen- und Stahlindustrie. Nach einer zweijährigen Pause hatte die Erfahrung mit einem Schiedsverfahren hier eine Fünf-Prozent-Erhöhung für zwölf Monate und weitere zwei Prozent für weitere sechs Monate geliefert. Dies bedeutete, dass trotz einer Begeschwundung der Wirtschaftstätigkeit seit Anfang 1968 und eines Anstiegs der Unternehmensgewinne die Lohnerhöhungen noch nicht einmal der Inflationsrate entsprachen. [11] Im darauffolgenden Jahr verabschiedete die Landesspitze der IG Metall erneut eine Politik der Lohnzurückhaltung. Die sogenannte “Frankfurter Vereinbarung” vom 16. August 1969 sah eine Erhöhung der Löhne und Gehälter der Beschäftigten im Metallsektor um 8 % und eine Verbesserung des jährlichen Urlaubsanspruchs vor. Auch der Schutz von Gewerkschaftsfunktionären und Jugendvertretern wurde bundesweit vereinbart. Otto Brenner sah darin einen großen Durchbruch der Gewerkschaft, aber viele sahen darin einen mageren Ausgleich für die enttäuschende Lohnerhöhung, die wieder für eine 18-monatige Amtszeit und nicht für die traditionelle Zwölfmonatsfrist gelten sollte. Willi Bleicher, unterstützt von der Mehrheit der Lohnkommission in Baden-Württemberg, lehnte den nationalen Kompromissvertrag als völlig unzureichend ab, konnte die unionsführende Runde aber nicht aus seiner Sicht überzeugen. Im Eisen- und Stahlsektor konnte das Abkommen, das Anfang 1968 in Kraft getreten war und nicht vor September 1969 neu verhandelt werden konnte. [11] Hätten sich die Parteien 1962 trotz der Schwierigkeiten auf einen Rahmen zur Regelung der Lohnverhandlungen ohne Streiklage einigen können, wäre 1963 nicht das Jahr der längsten und umfangreichsten Arbeitskämpfe in der westdeutschen Nachkriegsgeschichte gewesen.

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